Wesentliche Punkte
- Ein ETF kann seinen Index entweder durch den Kauf der realen Vermögenswerte oder durch einen Swap mit einer Bank nachbilden, wobei jede Methode ein anderes Kontrahentenrisiko birgt.
- Der TER (Total Equity Term) ist der jährliche Kostenanteil, den Sie zahlen, ohne dass er auf einem Kontoauszug erscheint, und ein Unterschied von wenigen Zehnteln kann sich über 20 Jahre auf Tausende von Euro summieren.
- Der Preis, zu dem Sie kaufen oder verkaufen, hängt von der Spanne, der Liquidität und den Marktzeiten ab – drei Faktoren, die in keiner Broschüre auftauchen.
- Kein ETF ist völlig frei von Kontrahentenrisiken oder versteckten Kosten, unabhängig von seiner Replikationsmethode oder dem verwendeten Vergleichsindex.
Wenn Sie bereits einen oder mehrere ETFs in Ihrem Portfolio haben, kennen Sie wahrscheinlich deren Vergleichsindex, die Anlagekategorie und vielleicht sogar deren historische Wertentwicklung. Was jedoch selten so detailliert erklärt wird, ist der interne Mechanismus, der all dies ermöglicht. Wie genau bildet der Fonds den Index nach, wie hoch sind die jährlichen Verwaltungskosten und was passiert genau in dem Moment, in dem Sie auf „Kaufen“ oder „Verkaufen“ klicken?Es handelt sich um drei unterschiedliche Elemente, die jedoch eng miteinander verbunden sind, und alle drei bestimmen, was Sie letztendlich mit nach Hause nehmen.
In diesem Artikel betrachten wir diese drei Elemente gleichzeitig: die Replikationsmethode und das damit verbundene Kontrahentenrisiko, die Gesamtkostenquote (TER) und ihre kumulative Auswirkung auf die Rentabilität sowie die Liquiditätist die Verbreitung und die Marktzeiten, die den genauen Preis jeder Transaktion bestimmen. Am Ende werden Sie in der Lage sein, die Informationsblätter von ETFs wesentlich umfassender zu betrachten, als nur die Information, „welchen Index er abbildet und wie stark er in diesem Jahr gestiegen ist“.
Physische vs. synthetische Replikation: Wie ein ETF seinen Index abbildet und welches Kontrahentenrisiko Sie übernehmen
Ein ETF verspricht etwas, das sich einfach anhören, aber in der Praxis komplexer ist: die Wertentwicklung eines Index wie des S&P 500, des MSCI World oder des Ibex 35 nachzubilden. Die vom Fondsmanager gewählte Methode hat konkrete Auswirkungen auf Sie, da sie das eingegangene Risiko, die anfallenden Kosten und die Genauigkeit der Indexnachbildung beeinflusst. Es gibt zwei Hauptarten der Replikation: die physische Replikation, bei der der Fonds die Wertpapiere des Index direkt kauft, und die synthetische Replikation, bei der der ETF ein Derivat, einen sogenannten Swap, verwendet, um die Wertentwicklung zu replizieren, ohne die zugrunde liegenden Vermögenswerte zu besitzen.
Vollständige physische Nachbildung: Der ETF, der genau das besitzt, was er aussagt.
Bei vollständiger physischer Replikation kauft der ETF jede einzelne Aktie des Index im Verhältnis ihrer Gewichtung im Index. Investiert man in einen MSCI World ETF, der diese Methode anwendet, besitzt der Fonds tatsächliche Anteile aller über 1.400 Unternehmen des Index – ohne Kompromisse.
Diese Methode bietet maximale Transparenz, da Sie jederzeit genau wissen, welche Vermögenswerte der Fonds hält. Da der ETF die Vermögenswerte direkt besitzt, besteht kein Kontrahentenrisiko. Die Prüfung ist zudem unkompliziert, selbst ohne fortgeschrittene Finanzkenntnisse. Der Nachteil zeigt sich bei sehr breit gestreuten Indizes oder solchen mit illiquiden Wertpapieren, wie beispielsweise Schwellenländer- oder Small-Cap-Unternehmen: Der Kauf und die Neugewichtung jeder einzelnen Komponente verursachen hohe Betriebskosten, was zu einem etwas größeren Tracking Error führen kann.
Stichprobenreplikation: wenn der ETF nicht den gesamten Index kauft
Wenn ein Index mehrere Hundert oder Tausende von Komponenten umfasst, ist eine vollständige Nachbildung praktisch unmöglich. Daher entscheiden sich einige physische ETFs für die Stichprobenmethode: Sie kaufen eine repräsentative Auswahl der am stärksten gewichteten und liquidesten Wertpapiere, die die Wertentwicklung des Index statistisch reproduzieren können, ohne jede einzelne Komponente zu erwerben. Es handelt sich im strengsten Sinne immer noch um eine physische Replikation, da der Fonds reale Anteile hält, nur eben nicht von allen Wertpapieren.
Dies bedeutet für Sie, dass der Tracking Error etwas höher ausfallen kann als bei vollständiger Replikation, insbesondere in Phasen hoher Volatilität oder wenn sich die ausgeschlossenen Wertpapiere anders verhalten als der Rest des Index. Um diese Methode zu identifizieren, lesen Sie bitte das Wesentliche Anlegerdokument (KID) oder den ETF-Prospekt: Im Abschnitt zur Anlagepolitik wird üblicherweise „Sampling“ oder „optimiertes Sampling“ erwähnt.
Synthetische Replikation: Wie ein Swap das Verhalten eines Index nachbildet
Die synthetische Replikation funktioniert völlig anders. Anstatt die Indexwerte zu kaufen, schließt der ETF einen Total-Return-Swap-Vertrag mit einer Gegenpartei, üblicherweise einer Investmentbank, ab. Der Mechanismus umfasst vier Schritte: Erstens unterzeichnet der ETF den Swap mit der Gegenpartei. Zweitens verpflichtet sich die Gegenpartei, dem Fonds die exakte Rendite des Index inklusive Dividenden gemäß der Swap-Art zu liefern. Drittens zahlt der ETF im Gegenzug eine regelmäßige Gebühr oder liefert die Rendite eines Portfolios von Sicherheiten, die sich vollständig vom replizierten Index unterscheiden können. Viertens entwickelt sich der Nettoinventarwert (NAV) des ETFs so, als hätte der Fonds den Index gekauft, obwohl er diese Werte technisch gesehen nicht besitzt.
Ein Beispiel verdeutlicht dies. Stellen Sie sich einen synthetischen ETF vor, der den S&P 500 abbildet und als Sicherheit einen Korb europäischer Anleihen hält, die keine direkte Verbindung zu den US-Unternehmen im Index haben: Dank des Swaps erhalten Sie weiterhin die Rendite des S&P 500, während die Sicherheiten als Garantie für den Vertrag dienen. Diese Methode kann besonders effizient für Indizes sein, die schwer direkt zugänglich sind, wie beispielsweise Schwellenländer mit Beschränkungen für ausländische Investitionen oder Rohstoffe, und auch dann, wenn die Besteuerung von Dividenden aus der physischen Replikation für den Fonds ungünstig ist. Es ist kein schlechterer Ansatz: Es ist ein anderes Instrument mit eigenen Vor- und Nachteilen.

Kontrahentenrisiko: Was passiert bei Ausfall der Swap-Bank und welche Grenzen setzen die UCITS-Regulierungen?
Dies ist aus Risikosicht wahrscheinlich der relevanteste Abschnitt und gleichzeitig derjenige, der in den Produktinformationsblättern am wenigsten erläutert wird. Wenn das Unternehmen, das den Swap unterzeichnet, seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, beispielsweise aufgrund von Insolvenz oder Zahlungsverzug, erhält der ETF möglicherweise nicht die versprochene Rendite des Index. In diesem Fall verfügt der Fonds lediglich über die hinterlegten Sicherheiten.
Die europäischen UCITS-Regulierungen begrenzen dieses Risiko unmittelbar. In Europa ansässige ETFs, die den UCITS-Regulierungen unterliegen, müssen sicherstellen, dass ihr Netto-Swap-Engagement 10 % des Nettoinventarwerts (NAV) des Fonds nicht übersteigt. Dies bedeutet in der Praxis, dass die Sicherheiten jederzeit mindestens 90 % des ETF-Wertes abdecken müssen. Diese regulatorische Vorgabe ist in der UCITS-IV-Richtlinie festgelegt und keine Empfehlung für bewährte Verfahren. Zusätzlich greifen weitere Mechanismen: Überbesicherung, wobei viele Emittenten Sicherheiten von über 100 % des Swap-Wertes fordern; die Verwendung hochwertiger Sicherheiten, wie beispielsweise europäische Staatsanleihen oder Anteile wichtiger Indizes; und die tägliche Auffüllung der Sicherheiten, wodurch das Portfolio auch bei starken Marktbewegungen täglich angepasst wird.
Diese Mechanismen reduzieren das Risiko erheblich, eliminieren es aber nicht vollständig. Um dies selbst zu überprüfen, suchen Sie im KID im Abschnitt „Risiko- und Vergütungsprofil“ und im vollständigen Prospekt im Abschnitt zur Replikationsmethode. Dort finden Sie den Swap-Exposure-Prozentsatz und in vielen Fällen Details zum Sicherheitenkorb.
Das versteckte Risiko physischer ETFs: Wertpapierleihe
Es liegt nahe anzunehmen, dass „physische ETFs kein Kontrahentenrisiko bergen“, doch diese Aussage bedarf einer Klarstellung. Viele physische ETFs betreiben Wertpapierleihe: Sie verleihen die von ihnen gehaltenen Aktien vorübergehend an Dritte, üblicherweise zur Deckung von Leerverkäufen, und erhalten dafür eine Gebühr, die die Gesamtkosten des Fonds reduziert. Diese Wertpapierleihe birgt ein eigenes Kontrahentenrisiko, denn wenn der Entleiher die Wertpapiere nicht zurückgibt, kann der ETF einen Verlust erleiden.
Emittenten mindern dieses Risiko durch die Anforderung von Sicherheiten, die fast immer 100 % des geliehenen Betrags übersteigen, und reinvestieren diese in als sicher geltende Instrumente. Unter normalen Marktbedingungen senkt die Wertpapierleihe die effektiven Kosten des ETFs und kommt Anlegern zugute. Das Risiko besteht jedoch und sollte beachtet werden. Der Jahresbericht des Fonds oder das Factsheet des Emittenten – beispielsweise Vanguard, iShares oder Xtrackers – veröffentlicht die Erträge aus der Wertpapierleihe und die erforderlichen Sicherheiten: eine weniger sichtbare Kennzahl als die Gesamtkostenquote (TER), aber genauso wichtig.
Wie man die Art der Replikation vor einer Investition erkennt
Nachdem der Kontext nun klar ist, sind dies die Schritte, um die Replikationsmethode eines ETFs vor dem Kauf zu ermitteln:
- Auf JustETF oder Morningstar: Suchen Sie nach dem ETF und finden Sie das Feld „Replikationsmethode“ im zugehörigen Informationsblatt.
- Im KID, dem grundlegenden Informationsblatt, enthält der Abschnitt „Was ist dieses Produkt?“ die Beschreibung der Anlagemethode.
- Im vollständigen Prospekt: Einzelheiten zum Swap und zu den Sicherheiten finden Sie unter „Anlagepolitik“ oder „Risikomanagement“, falls es sich bei dem ETF um einen synthetischen ETF handelt.
- Achten Sie auf die Warnsignale: Wenn der Vermögenskorb des Fonds nicht mit dem beworbenen Index übereinstimmt, handelt es sich um einen synthetischen ETF. Es empfiehlt sich, den prozentualen Anteil des Swap-Exposures und die Qualität der Sicherheiten zu überprüfen.
In den Portfolios, die über Bit2Me Investieren Sie! Das InbestMe-Team hat bereits ETFs anhand von Effizienz-, Kosten- und Risikomanagementkriterien ausgewählt, einschließlich der Art der Replikation für jeden Fonds. Das heißt nicht, dass Sie Ihre eigene Recherche einstellen sollten; es bedeutet lediglich, dass Sie mit einer Auswahl beginnen, die bereits nach diesen Kriterien gefiltert ist.
TER bei ETFs: Was ist das und wie wirkt es sich auf Ihre Rentabilität aus?
Nachdem die Replikationsmethode nun erläutert wurde, kommen wir zum zweiten Faktor, der Ihren Gewinn bestimmt: die Kosten für das Halten des ETFs. Und hier kommt die Gesamtkostenquote (TER) ins Spiel.
Was ist TER und welche Kosten sind darin enthalten (und welche nicht)?
Die TER (Total Expense Ratio) ist der jährliche Prozentsatz des ETF-Vermögens, der für die Deckung aller Management- und Verwaltungskosten verwendet wird: die Kosten für das Halten des ETFs über ein Jahr. Es handelt sich dabei nicht um eine beim Kauf oder Verkauf fällige Provision, sondern um eine implizite Gebühr, die während der gesamten Laufzeit des Fonds anfällt: Der Fondsmanager zieht sie täglich vom Nettoinventarwert ab, ohne dass Sie eine Belastung auf Ihrem Kontoauszug oder einen separaten Posten sehen.
Stellen Sie sich einen ETF mit einer Gesamtkostenquote (TER) von 0,20 % vor. Für jede 100 €, die Sie investieren, zahlen Sie automatisch 0,20 € pro Jahr an Kosten. Bei 10.000 € in diesem ETF belaufen sich die jährlichen Kosten auf etwa 20 €, verteilt auf kleine Beträge über 365 Tage.
Die Gesamtkostenquote (TER) fasst verschiedene Komponenten in einem einzigen Prozentsatz zusammen. Sie umfasst die Verwaltungsgebühr (den größten Teil), die Depotgebühr sowie die Kosten für Prüfung und Verwaltung des Fonds. Nicht enthalten sind die Handelsgebühren Ihres Brokers beim Kauf oder Verkauf des ETFs, die Geld-Brief-Spanne – die wir im nächsten Abschnitt besprechen werden – und eventuell anfallende Steuern. Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, wenn Sie regelmäßig per Cost-Average-Effekt (DCA) investieren: Jeder wiederkehrende Kauf kann eine Brokergebühr verursachen, die nicht in der TER enthalten ist. Daher empfiehlt es sich, diese bei der Berechnung der tatsächlichen Kosten Ihrer Anlagestrategie zu berücksichtigen.

Die kumulativen Auswirkungen des TER über 20 Jahre
Eine Gesamtkostenquote (TER) von 0,07 % oder 1,50 % mag auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen, doch über einen Zeitraum von zwanzig Jahren wird sie zu einem der wichtigsten Faktoren für Ihre endgültige Rendite. Stellen Sie sich vor, Sie investieren einmalig 10.000 € und halten das Kapital 20 Jahre lang. Angenommen, Sie erzielen eine hypothetische Bruttorendite von 7 % pro Jahr – ohne Garantie, dass diese Rendite tatsächlich erreicht wird. Mit einem Index-ETF mit einer TER von 0,07 % läge die Nettorendite bei etwa 6,93 % pro Jahr; mit einem aktiv verwalteten Fonds mit einer TER von 1,50 % würde sie auf 5,50 % pro Jahr sinken.
Der Unterschied zwischen den beiden Szenarien beträgt rund 9.000 €, ausschließlich aufgrund der Auswirkungen der Gesamtkostenquote (TER) auf die gleiche Anfangsinvestition und die gleiche angenommene Bruttorendite. Dieses Geld verschwindet nicht aufgrund einer Fehlentscheidung; es wird lediglich Jahr für Jahr durch etwas höhere Kosten aufgezehrt.
Liquidität, Spread und Timing: So wird Ihre Order tatsächlich ausgeführt
Sie wissen bereits, wie Ihr ETF den Index abbildet und wie hoch die jährlichen Verwaltungskosten sind. Bleibt noch der dritte und wichtigste Punkt: Was genau passiert, wenn Sie sich zum Kauf oder Verkauf entscheiden?
Beim Kauf eines traditionellen Investmentfonds gibt es nur eine Momentaufnahme des Tages: Der Nettoinventarwert wird zum Handelsschluss berechnet, und alle Zeichnungen und Rücknahmen werden zum gleichen Preis ausgeführt, unabhängig davon, ob Sie die Order um neun Uhr morgens oder um fünf Uhr nachmittags platziert haben. Ein ETF funktioniert anders: Er wird wie eine Aktie während der gesamten Handelssitzung an der Börse gehandelt, und sein Preis ändert sich ständig entsprechend Angebot und Nachfrage. Dies bietet einen klaren Vorteil – man kann jederzeit während der Sitzung kaufen oder verkaufen, ohne auf den Handelsschluss warten zu müssen – führt aber auch eine Variable ein, die bei einem traditionellen Fonds nicht auftritt: Der genaue Preis, zu dem Ihre Order ausgeführt wird, hängt von der Tageszeit, der Anzahl der Marktteilnehmer, die den ETF handeln, und der Marktliquidität im jeweiligen Moment ab.
Die zwei Liquiditätsebenen eines ETFs: Sekundärmarkt und zugrunde liegende Vermögenswerte
Viele Anleger gehen fälschlicherweise davon aus, dass die Liquidität eines ETFs auf die gleiche Weise gemessen wird wie die einer Aktie: Wenn täglich nur wenige Anteile gehandelt werden, erscheint der ETF „illiquide“. Dies ist ein weit verbreiteter Irrtum, und wer ihn richtig versteht, bewahrt sich davor, Produkte auszuschließen, die eigentlich durchaus vielversprechend sind.
Es gibt zwei unterschiedliche Liquiditätsebenen. Die erste ist die Sekundärmarktliquidität: das Volumen der ETF-Anteile, die täglich an der Börse, an der der ETF notiert ist, den Besitzer wechseln. Dies ist die sichtbarste Ebene und hat den größten Einfluss auf den Spread, den Sie beim Handel zahlen. Die zweite Ebene, weniger bekannt, aber entscheidender, ist die Liquidität der zugrunde liegenden Vermögenswerte: die Leichtigkeit, mit der Market Maker Anteile schaffen oder zurücknehmen können, indem sie die Vermögenswerte kaufen oder verkaufen, aus denen der replizierte Index besteht. Dieser Mechanismus zur Schaffung und Rücknahme von Anteilen verbindet den Aktienkurs des ETFs mit dem realen Wert der Vermögenswerte, die er nachbilden soll, unabhängig von der verwendeten Replikationsmethode.
Besteht der zugrunde liegende Index aus hochliquiden Aktien, wie beispielsweise denen des S&P 500, können Market Maker effizient intervenieren und einen engen Spread aufrechterhalten, selbst wenn das tägliche Handelsvolumen des ETFs gering ist. Ein S&P-500-ETF mit 100 Millionen Euro Vermögen und niedrigem täglichem Volumen kann für einen Privatanleger optimal liquide sein, wohingegen ein ETF, der einen Hochzinsanleihenindex in Schwellenländern abbildet, aufgrund der naturgemäß geringeren Liquidität seiner zugrunde liegenden Vermögenswerte größere Herausforderungen darstellen kann. Kurz gesagt: Das praktische Kriterium zur Beurteilung der tatsächlichen Liquidität eines ETFs beschränkt sich nicht allein auf das tägliche Handelsvolumen; ebenso wichtig sind das verwaltete Vermögen (AUM) und die Liquidität des zugrunde liegenden Index.

Gebot, Nachfrage und Spread: die Kosten, die nicht im TER erscheinen.
Jeder ETF wird mit zwei simultanen Preisen gehandelt, nicht nur mit einem. Der Geldkurs (Bid) ist der höchste Preis, zu dem jemand den ETF in diesem Moment kaufen möchte – also der Preis, den Sie beim Verkauf erhalten. Der Briefkurs (Ask) ist der niedrigste Preis, zu dem jemand den ETF verkaufen möchte – also der Preis, den Sie beim Kauf zahlen. Die Differenz zwischen beiden Kursen ist der Spread. Er stellt die impliziten Kosten jeder Kauf- oder Verkaufstransaktion dar und ist weder im Verkaufsprospekt noch in der Gesamtkostenquote (TER) des Fonds ausgewiesen.
Ein Zahlenbeispiel verdeutlicht dies. Stellen Sie sich einen ETF mit einem Geldkurs von 100,00 € und einem Briefkurs von 100,10 € vor: Die Spanne beträgt 0,10 € pro Anteil, also 0,10 % des Preises. Wenn Sie 100 Anteile zu 100,10 € kaufen und diese sofort zum Geldkurs von 100,00 € verkaufen, verlieren Sie allein durch das Überschreiten der Spanne 10 €, ohne dass sich der ETF-Kurs am Markt selbst auch nur einen Cent bewegt hat.
Es ist wichtig, zwischen Spread und Gesamtkostenquote (TER) zu unterscheiden, da es sich um zwei unterschiedliche Kostenarten handelt. Die TER wird täglich und fortlaufend vom Fondsvermögen abgezogen, unabhängig von der Handelshäufigkeit. Der Spread hingegen fällt bei jedem Kauf oder Verkauf an, und seine relative Auswirkung hängt von der Handelsfrequenz ab: Für einen langfristigen Anleger, der monatlich investiert, ist ein Spread von 0,10 % ein vernachlässigbarer Anteil der jährlichen TER; für jemanden, der mehrmals täglich handelt, wird derselbe Spread zum größten Kostenfaktor seiner gesamten Handelsaktivitäten.
Was bestimmt die Höhe des Spreads eines ETFs?
Nicht alle ETFs haben den gleichen Spread, und zu wissen, welche Faktoren ihn bestimmen, hilft Ihnen, vorherzusehen, welche Produkte beim Handel teurer sein werden. Der erste Faktor ist die Liquidität der zugrunde liegenden Vermögenswerte: ETFs, die Aktien großer Unternehmen in entwickelten Märkten abbilden, werden typischerweise mit engen Spreads gehandelt, während ETFs, die Small Caps, Schwellenländer, Unternehmensanleihen oder Rohstoffe abbilden, tendenziell deutlich größere Spreads aufweisen.
Der zweite Faktor ist die Größe des ETFs, gemessen am verwalteten Vermögen (AUM): Größere Fonds ziehen tendenziell mehr Market Maker an, und dieser Wettbewerb führt in der Regel zu einer Verringerung des Spreads. Der dritte Faktor ist die Marktvolatilität, da Market Maker bei der Veröffentlichung makroökonomischer Daten, in Krisenzeiten oder zu Handelsbeginn den Spread ausweiten, um das erhöhte Risiko der Absicherung ihrer Positionen auszugleichen. Der vierte und wohl am wenigsten intuitive Faktor ist die Überschneidung der Handelszeiten: Wenn der Referenzmarkt eines ETFs geschlossen ist, fällt es Market Makern schwerer, ihre Positionen abzusichern, weshalb sie den Spread ausweiten, um sich abzusichern – ein Aspekt, den wir im nächsten Abschnitt genauer betrachten werden. Schließlich spielt auch die Anzahl der aktiven Market Maker in einem bestimmten ETF eine Rolle: Bei Nischenprodukten gibt es mitunter nur einen, was den Wettbewerb verringert und den Spread vergrößert.
Generell gilt: ETFs, die wichtige Aktienindizes entwickelter Länder abbilden, bewegen sich tendenziell in der engsten Marktspanne, während thematische oder Nischen-ETFs deutlich teurer sein können. Für konkrete und aktuelle Daten zu einem bestimmten ETF sind das Factsheet des Emittenten und Vergleichsportale wie JustETF die zuverlässigsten Quellen.
Das Orderbuch: Wie man die Markttiefe vor dem Handel erkennt
Das Orderbuch ist eine Liste aller offenen Kauf- und Verkaufsaufträge für einen ETF zu jedem beliebigen Zeitpunkt, sortiert nach Preis und Menge. Sie finden es auf jeder Broker-Plattform als Tabelle mit zwei Spalten – Geldkurs und Briefkurs – jeweils mit verschiedenen Preisniveaus und dem jeweils verfügbaren Volumen.
Für ETF-Anleger ist das Orderbuch aus zwei Gründen wichtig. Erstens wegen der Ordertiefe: Sind zum nächstliegenden Preis nur 500 Anteile verfügbar und man möchte 2.000 kaufen, wird der Überschuss zu immer schlechteren Preisen ausgeführt – ein Phänomen, das als Slippage bekannt ist. Zweitens dient es als Echtzeit-Liquiditätssignal: Ein Orderbuch mit vielen Preisniveaus und hohem Volumen deutet auf gute Liquidität hin, während ein Orderbuch mit wenigen Niveaus und geringem Volumen darauf hindeutet, dass eine große Order den Preis unkontrolliert beeinflussen könnte.
Die praktische Empfehlung ist einfach: Bei größeren Aufträgen ab 5.000 € bis 10.000 € empfiehlt es sich, vor der Ausführung das Orderbuch zu konsultieren oder eine Limit-Order zu verwenden, um den Endpreis zu kontrollieren. Für die meisten Privatanleger, die mit Beträgen zwischen 500 € und 2.000 € in großen Index-ETFs handeln, stellt das Orderbuch selten ein Problem dar. Dennoch ist ein Blick ins Orderbuch vor größeren Aufträgen stets ratsam.
Marktzeiten: Europa, Amerika und Überschneidung mit der Wall Street
Die Handelszeiten bestimmen maßgeblich, welche Spanne Sie zu jeder Tageszeit erwarten können. In Spanien werden ETFs hauptsächlich an der BME, der Xetra (Frankfurt) und der Euronext (Paris, Amsterdam, Brüssel) gehandelt. Alle drei Börsen haben von 09:00 bis 17:30 Uhr MEZ geöffnet. Die Londoner Börse (LSE) ist von 08:00 bis 16:30 Uhr GMT geöffnet, was im Sommer 09:00 bis 17:30 Uhr MEZ entspricht.
Besonders interessant sind ETFs, die amerikanische Indizes wie den S&P 500, den Nasdaq 100 oder den Russell 2000 abbilden. Diese Produkte werden zwar während der gesamten Handelssitzung an europäischen Börsen gehandelt, ihre Referenzmärkte – die NYSE und die Nasdaq – öffnen jedoch erst um 15:30 Uhr MESZ im Sommer (16:30 Uhr im Winter). Diese Zeitverschiebung erklärt die starken Schwankungen der Spreads dieser ETFs im Tagesverlauf: Solange die Wall Street geschlossen bleibt, fällt es europäischen Market Makern schwerer, ihre Positionen gegenüber den zugrunde liegenden Vermögenswerten abzusichern. Daher weiten sie den Spread als Schutzmaßnahme aus.
Wann ist also der beste Zeitpunkt, einen ETF zu kaufen, der einen US-Index abbildet? Das hängt primär von der Anlagesumme und dem Anlagehorizont ab. Bei langfristigen Anlagen mit kleinen Orders unter 1.000 € ist der Spread unabhängig von der Tageszeit kaum spürbar. Wichtiger ist es, auf Kontinuität zu achten – beispielsweise auf einen festen Wochentag im Monat – als auf die exakte Minute. Bei größeren Orders über 5.000 € in US-Index-ETFs kann es sinnvoll sein, bis zur Börsenöffnung zu warten, um von der höheren Liquidität zu profitieren. Generell empfiehlt es sich, die ersten und letzten 15 bis 30 Minuten des Handelstages für Nischen-ETFs zu meiden, da die Volatilität bei Eröffnung und Schluss den Spread tendenziell vorübergehend vergrößert.

Marktorders vs. Limitorders: Welche Orders sind bei ETFs die richtige Wahl?
Neben Liquidität und Timing beeinflusst auch die gewählte Orderart den Endpreis. Eine Market-Order wird sofort zum bestmöglichen Preis im Orderbuch ausgeführt: Ihr Vorteil ist die Geschwindigkeit, ihr Nachteil jedoch, dass Sie den genauen Preis nicht kontrollieren. Bei einem ETF mit großem Spread oder einem aktuell illiquiden Markt zahlen Sie möglicherweise deutlich mehr oder erhalten deutlich weniger, als Sie bei der Ordererteilung erwartet haben.
Eine Limit-Order funktioniert anders: Sie legen den Höchstpreis fest, den Sie beim Kauf zu zahlen bereit sind, oder den Mindestpreis, den Sie beim Verkauf akzeptieren. Die Order wird nur ausgeführt, wenn der Markt dieses Niveau erreicht. Ihr Vorteil ist die vollständige Kontrolle über den Ausführungspreis; ihr Nachteil ist, dass sie möglicherweise nicht ausgeführt wird, wenn der Markt Ihr Limit innerhalb der von Ihnen festgelegten Gültigkeitsdauer nicht erreicht. Generell gilt: Bei hochliquiden Index-ETFs – wie dem S&P 500, dem MSCI World oder dem Ibex 35 – mit sehr engen Spreads ist eine Market-Order während der regulären Handelszeiten für Privatanleger durchaus sinnvoll. Bei Nischen-ETFs, Schwellenländer-ETFs oder Transaktionen außerhalb der Wall-Street-Handelszeiten ist es jedoch immer ratsamer, eine Limit-Order zu verwenden, um Preisüberraschungen in Zeiten größerer Spreads zu vermeiden. Dieser Vergleich dient lediglich der Veranschaulichung und stellt keine Anlageberatung für einen bestimmten ETF dar: Jede Entscheidung sollte individuell auf Grundlage Ihrer persönlichen Umstände und Anlageziele getroffen werden.
Die drei Komponenten im Zusammenspiel: Was bestimmt wirklich, welchen Nutzen Sie aus einem ETF ziehen?
Die physische Replikation bietet mehr Transparenz, da der Fonds direkt das besitzt, was er nach eigenen Angaben hält. Die synthetische Replikation kann in bestimmten Märkten effizienter sein, birgt aber ein Kontrahentenrisiko, das durch die UCITS-Regulierung begrenzt, aber nicht vollständig eliminiert wird. Die Gesamtkostenquote (TER) ist der versteckte Kostenfaktor, der langfristig am stärksten ins Gewicht fällt. Liquidität, Spread und Handelszeiten bestimmen, wie viel Sie im jeweiligen Moment jeder Transaktion mehr oder weniger bezahlen. Kein ETF ist völlig risikofrei, unabhängig von Replikationsmethode, Kosten oder Liquidität. Das Verständnis dieser drei Faktoren gibt Ihnen wahrscheinlich die größte Sicherheit, bevor Sie einen ETF in Ihr Portfolio aufnehmen oder Ihre bestehenden ETFs überprüfen.
Wenn Sie es vorziehen, dass diese Kriterien – Replikationsmethode, TER und Ausführung – bereits werkseitig geprüft wurden, in Bit2Me Invest ermöglicht es Ihnen, von InbestMe ausgewählte ETF-Portfolios zu erkunden und herauszufinden, welches am besten zu Ihrem Anlagehorizont passt.



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